Interview mit René Hirschi

Ich habe mich sehr gefreut, René Hirschi über seine Bemühungen zur Integration und Erhaltung einer ökologischen, sozialen und nachhaltigen Gemeinschaft zu interviewen. Er ist der Gründer der eindrucksvollen Gemeinschaft Herzfeld Sennrüti mit Sitz in Degersheim, Schweiz, und war Gastgeber einer 1bank4all Veranstaltung für Mitglieder der Gemeinschaft.

  1. Kurz gesagt, wer ist René Hirschi? Und wie würden Dich nahestehende Personen in wenigen Worten beschreiben?

René: Ich bin in Zürich geboren und in Simbabwe, Malawi, Südafrika und der Schweiz aufgewachsen. Ich bin Vater von drei Kindern, Gründer einer Gemeinschaft und aktiver Teilnehmer der grossen Basisbewegung Global Ecovillage Network-Suisse. Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch, der offen ist, etwas über sich selber und die Welt zu lernen.

Diejenigen, die mich gut kennen, würden sagen, dass ich verantwortlich, vertrauenswürdig, stark, kreativ und ein Freigeist bin.

 

 

René

 

 

2. Bitte erläutere Deine Lebensphilosophie.

Mir wurde vor langer Zeit klar, dass ich nicht abwarten kann, bis die Gesellschaft oder die Regierung den Wandel herbeiführt, den ich in der Welt sehen will.

Ich glaube, dass die zahllosen Basisprojekte, die in verschiedenen Teilen der Welt durchgeführt werden, letztendlich unser illusionäres System des endlosen Wachstums, das unseren Planeten über die Jahrhunderte hinweg korrumpiert hat, verändern werden. Gesellschaften handeln im falschen Glauben, dass die Ressourcen der Erde nicht erschöpfbar sind und dass Eigeninteresse vorteilhafter ist als die Unterstützung durch die Gemeinschaft.

 

 

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3. Ich habe von der wunderbaren Non-Profit-Organisation Herzfeld Sennrüti gehört. Bitte erläutere die Gemeinschaft, die Du zusammengebracht hast.

Alles begann im Jahr 2005, als eine Gruppe von Menschen, zu der auch ich gehörte, mit dem gemeinsamen Ziel zusammenkam, nach einer ganzheitlichen und nachhaltigen Lebensweise zu suchen, die auch verschiedene Individuen und Familien einbezieht.

Dann haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück gemacht, das wir im Jahr 2009 gefunden haben. Es bestand aus drei Gebäuden mit 6 Wohnungen und ca. 100 Zimmern. Die Räumlichkeiten dienten zuvor als Kurhaus, das im ganzen Land bekannt war.

Wir gründeten eine Genossenschaft und begannen, aus den vorhandenen Räumen 25 Wohnungen zu bauen. Es war ein riesiges Projekt, aber mit der Hilfe aller Beteiligten haben wir es geschafft. Seither leben hier sechzig Erwachsene und Kinder im Alter von 1 bis 85 Jahren als Teil einer dynamischen Gemeinschaft. Herzfeld Sennrüti ist jetzt Teil des Global Ecovillage Network (GEN), dass auch mit den Movement Networks, Transition Town und Permakultur zusammenarbeitet.

4. Was ist die Vision von Herzfeld Sennrüti?

 

Wir versuchen, unsere konditionierten Gewohnheiten zu ändern, die Teil des oberflächlichen Lebens geworden sind, das wir in der heutigen Welt haben. Stattdessen wollen wir ein authentischeres, unprätentiöses Leben führen. Meine Vision für Herzfeld Sennrüti ist es, eine ökonomische, ökologische, soziale, soziale, spirituelle und kulturelle Gemeinschaft auf ihre eigene authentische Art und Weise zu werden. Und zwar auf eine Art und Weise, die viele andere Menschen dazu inspiriert, dasselbe zu tun.

Ich verstehe "Ökodörfer" als einen Bereich, der mehr ist als eine Denkfabrik. Das Konzept des Ökodorfes ist auch eine "Gefühl"- und eine "Erlebnis"-Fabrik. Als Menschen müssen wir in der Lage sein, uns miteinander, mit der Natur und mit der Welt zu verbinden. Wir pflegen ein freundliches und friedliches Umfeld, das die Vielfalt der Menschen schätzt und die persönliche Entwicklung fördert.

 

5. Was hat Dich zu diesem Projekt inspiriert?

Vater zu werden, war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Wie viele Eltern habe auch ich mich oft gefragt, wie ich mein Leben gestalten kann, dass es meine Kinder beeinflusst. Mit dieser Frage im Hinterkopf verspürte ich den Wunsch, eine Gemeinschaft zu gründen und zu lernen, wie man ein zweckgerichtetes Leben führt.

Außerdem suchen heute immer mehr Menschen nach neuen Lebensweise. Daher sah ich die Möglichkeit, ein persönliches Vorbild für jene Menschen zu werden, die sich mit einer authentischeren Lebensweise auseinandersetzen.

 

Mitglieder

 

6. Was waren Deine größten Erfolge in Bezug auf die Gemeinschaft?

In unserem Ökodorf produzieren wir mit Hilfe von Photovoltaik fast das Doppelte dessen, was wir an Strom brauchen. Zudem ist es uns gelungen, einen Großteil der Liegenschaft in Niedrigverbrauchsgebäude zu verwandeln und damit den weltweit anerkannten Minergie-Standard zu erreichen.

Zweitens, neben anderen nützlichen Aktivitäten, bauen wir unser eigenes Obst und Gemüse an. Das ist nicht nur eine gesunde Praxis, sondern ermöglicht uns auch allmählich ein hohes Maß an Eigenversorgung und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit zu erreichen.

 

7. Was war eine große Herausforderung beim Betrieb des Ökodorfes?

Der Versuch, ein ökologisches und umweltfreundliches Ökodorf zu errichten, brachte einige Herausforderungen mit sich. Die größte Herausforderung bestand darin, dass es sich um ein teures und kompliziertes Projekt handelt. Beispielsweise haben wir aufgrund der strengen Auflagen für die Immobilie manchmal extravagante Kosten für das Auffangen und Speichern von Regenwasser und für den Brandschutz.

 

8. Bitte beschreibe die Veranstaltung, die Du für 1bank4all am 24. Juni 2017 organisiert hast.

Während einem Treffen für Ecovillage-Gründer habe ich über Christian Heyner von 1bank4all erfahren. Ich wurde tief von der Vision von 1bank4all inspiriert und beschloss, eine Veranstaltung zu veranstalten, bei der Mitglieder von Herzfeld Sennrüti mehr darüber erfahren konnten. Mehr als 20 Personen nahmen an der Veranstaltung teil und viele von ihnen hatten viele Fragen, da sie sehr daran interessiert waren, mehr über das Konzept von Social Banking zu erfahren.

 

Ökologische

 

 

9. Welche Worte der Ermutigung würdest Du jemandem geben, der darüber nachdenkt, 1bank4all auf die eine oder andere Weise zu unterstützen?

Solange es Geld gibt und Banken existieren, sehe ich einen Bedarf an einer sozialen Bank, einer Bank für die Menschen und für die Basisbewegungen in der ganzen Welt. Ich glaube fest daran, dass 1bank4all die Lösung und den Anker liefern wird, um den notwendigen Übergang vom dominierenden, kapitalistischen System zu einer alternativen Struktur zu vollziehen. Ich glaube, dass dieser Schritt in eine bessere Welt die 1bank4all braucht.

 

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