Peter, der Unternehmer

Peter fuhr eine schmale und staubige Straße entlang, die in die Stadt Embu führte. In den vergangenen fünf Jahren hatte er mit seinem Liefergeschäft alleine die ganze Familie ernährt. Er mietete einen Pick-Up und benutzte ihn, um frische Produkte von Bauern in seinem Dorf zu sammeln, bevor er sie an einen Markt lieferte.

 

Als er sich einer Kurve näherte, sah er einen riesigen Lastwagen mit großer Geschwindigkeit auf ihn zukommen. Auf der einen Seite des Weges befand sich ein felsiger Hügel und auf der anderen Seite lag ein Tal. Alles, was er tun konnte war ruckartig anzuhalten und zu beten, dass der Lastwagenfahrer schnell bremste. Es gab einen lauten, entsetzlichen Knall, als sein Pick-up im Tal landete.

Straße

Peter wachte in einem kleinen Krankenhausbett auf und zuckte    vor Schmerzen. Er sah sich langsam im Zimmer um und bemerkte sechzehn weitere Patienten, die in ihren Betten lagen. Über dem Eingang des Zimmers befand sich   ein großes Schild mit der Aufschrift "Unfall- und Notfallstation".

 

Als Peter versuchte sich aufzurichten, bemerkte er, dass er an einem Tropf angeschlossen war und Nähte quer über seinem Bauch hatte.

"Versuchen Sie nicht zu kämpfen", riet ein älterer Mann, der neben ihm lag.

"Wo bin ich?" fragte Peter nervös.

 

"Das ist das Kijabe MissionHospital, in Nairobi", antwortete der Mann, bevor er sich näher zu Peter lehnte. "Ich habe gehört, dass Sie vor zwei Tagen bei einem schrecklichen Unfall gefunden wurden und eine hilfsbereite Person, die in die Stadt gefahren ist, Sie hierhergebracht hat.

Sie haben großes Glück," fuhr er eifrig fort.

 

Peter fragte sich, ob seine Eltern und seine hochschwangere Frau wussten, wo er war oder was mit ihm geschehen war. Diese Gedanken versetzten ihn in Panik und er versuchte aufzuspringen, nur um festzustellen, dass seine Beine ihn nicht tragen konnte. Als er zu Boden fiel, hörte er Stimmen, die nach einer Krankenschwester riefen, bevor er ohnmächtig wurde.

 

Als er aufwachte, war eine Krankenschwester an seiner Seite, mit einem grimmigen Blick auf ihrem Gesicht.

 

"Wenn du versuchst, wieder aufzustehen, werde ich dich selbst aus dieser Station schmeissen!" sagte sie, ziemlich streng. "Wissen Sie nicht, wie ernst Ihre Verletzungen sind?" fragte sie. "Es tut mir leid... ich muss nur meine Familie kontaktieren. Weiss meine Familie, wo ich bin?" stammelte Peter.

 

"Oh ja, deine Mutter war gestern hier und hat mit den Ärzten geredet. Sie sagten, dass Sie sich während des Unfalls beide Beine gebrochen haben und sofort operiert werden müssen. Aber es wird etwa 300’000 Kenia-Schilling kosten", erklärte sie einfühlsamer.

 

Eine grosse Traurigkeit erfüllte Peters Herz. Er wusste, dass seine Familie es sich nicht leisten konnte, solch hohe Arztkosten zu bezahlen. Die Krankenschwester fügte hinzu, dass er für seinen Aufenthalt und für alle Medikamente, die ihm verabreicht wurden, bezahlen müsse.

 

"Bitte, lassen Sie mich meine Mutter anrufen", bat Peter die Krankenschwester. Es gibt einen Festnetzanschluss am Empfang, aber Sie sind zu schwach, um den Raum zu verlassen. "Hören Sie, ich sollte das nicht tun, aber ich lasse Sie zehn Minuten lang mein Handy benutzen, okay?" flüsterte sie. Peter nickte schnell und dankte ihr.

 

Ohne Zeit zu verlieren, wählte er die Nummer seiner Mutter und fühlte sich erleichtert, ihre Stimme am anderen Ende zu hören. Nachdem er ihr versprochen hatten, dass es ihm gut geht, diskutierten sie die bevorstehenden Operationskosten. Peter fühlte sich hilflos, weil er nicht in der Lage war seine eigenen Krankenhausrechnungen zu begleichen, aber er wusste, dass sie einen Weg finden mussten.

 

Peters Mutter begann zu schluchzen, als sie ihm mitteilte, dass sein Vater einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, nachdem er die schreckliche Nachricht gehört hatte und sich nun langsam zu Hause erholte. Sie fügte hinzu, dass seine Frau,ebenfalls versucht, die schwierige Situation zu meistern.

 

Nach dem Telefonat wusste Peter, dass er etwas unternehmen musste. Als die Krankenschwester zurückkam, überzeugte er sie, ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten zu organisieren. Sie zögerte zunächst, bevor sie seinem Bitten nachgab und die Ärzte holte.

 

Peter forderte die Ärzte mutig auf, die Operation im Sinne einer Leihgabe durchzuführen und versicherte ihnen, dass er Gelde organisieren wird, um die Rechnung anschliessend zu bezahlen. "Sir, Sie müssen wissen, dass in einem öffentlichen Krankenhaus die Zahlung zuerst gemacht werden muss und zwar in voller Höhe, bevor eine größere Behandlung erfolgen kann", sagte Dokor King'ara.

 

"Ja, Doktor, aber ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich die gesamte Rechnung bezahlen werde, bevor ich dieses Krankenhaus verlasse", sagte Peter entschlossen. Nach reiflicher Überlegung beschlossen die beiden Ärzte, die Operation durchzuführen.

 

Währenddessen verbrachte Peters Mutter schlaflose Nächte und nutzte die Zeit, um von Haus zu Haus im Dorf zu gehen und die Gemeinde um Hilfe zu bitten. Viele waren bereit, einen kleinen, entbehrlichen Geldbetrag, Peter zu geben. Wenige Tage nach Peters Operation nahm seine Mutter einen Bus nach Nairobi und tauchte mit einem kleinen Beutel voller Banknoten im Krankenhaus auf. Dank den Nachbarn konnte sie drei Viertel der OP-Gebühren abbezahlen.

 

Peter und seine Mutter brachen in Freudetränen aus, als sie sich wiedersahen. Peter war erleichtert, als er herausfand, dass sie die meisten Ausgaben zurückbezahlt hatte. Allerdings konnte er das Krankenhaus nicht verlassen, bis er den Restbetrag zurückbezahlt hatte.

 

Es gab eine weitere schlaflose Nacht für Peters Mutter. Sein Vater, der sich noch immer vom Schock erholte, tröstete seine Frau und bat sie, sich keine Sorgen zu machen. Am nächsten Tag brachte er die einzige Kuh zum Mark und kehrte mit 80'000 Kenia-Schilling zurück. "Lass uns unser Sohn zurückholen" sagte er zu seiner müden Frau.

 

Sie bezahlten den Rest der Rechnung und kauften einen Rollstuhl für Peter. Zurück im Dorf freuten sich alle, den jungen Mann wiederzusehen und besuchten ihn abwechselnd. Peter versicherte den Dorfbewohnern, dass er eines Tages wieder laufen und arbeiten würde. Er verriet, dass es seine Vision war, einen eigenen Pickup zu kaufen und sein Liefergeschäft zu erweitern. Obwohl er eine schreckliche Tragödie durchlebte, war Peter fest entschlossen, seine Träume und Pflichten gegenüber seiner Familie nicht von dieser Tragödie stoppen zu lassen.

 

Peter

 

 

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